Präparatenamen, Wirkdauer oder Halbwertzeit (HWZ) Aspirin® (5–6 Tage) Indikationen Referenzen 43, 44, 45 Sekundärprävention bei kardiovas- kulären Erkrankungen, Akutes Coronarsyndrom, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrank- heit Plavix® 3-10 Tage Efient® 7-10 Tage Brilique® (HWZ ca. 8h) 46, 47, 48 ASS-Unverträglichkeit, Monothera- pie nach Ischämischen Schlaganfall, in Kombination mit ASS bei frischen Stents, Herzinfarkt, koronare Herzkrankheit, periphere arterielle Verschlusskrankheit Marcumar® (HWZ ca. 6 Tage) Falithrom® (HWZ ca. 160h) Mechanische Herzklappen, früher Vorhofflimmern, Tiefe Venenthrom- bosen, Lungenembolien 49, 50 Eliquis® (HWZ 10–14 h), Lixiana® (HWZ 9–11 h), Xarelto® (HWZ 5–9 h), Pradaxa® (HWZ 12–14 h) Vorhofflimmern, Tiefe Venen- thrombosen, Lungenembolien, kontraindiziert bei mechanischen Herzklappen 51, 52, 53 Thrombozytenaggregationshemmer: hemmen irreversibel Cyclooxygenase-1 (COX-1) und dadurch die Bildung des Thrombozytenaktivators Thromboxan A2 (TXA2). Durch Hemmung dieses Signalweges ist die Vernetzung von Thrombozy- ten über Fibrinogen (mittels GPIIb/ IIIa-Rezeptoren) abgeschwächt. Thrombozytenaggregationshemmer: Blockieren die ADP-Rezeptoren auf Thrombozyten, irreversibel (Clopidogrel, Prasugrel,) oder reversibel (Ticagrelor). Hierdurch wird die ADP vermittelte Aktivierung von GPIIb/IIIa-Rezeptoren gehemmt Vitamin-K-Antagonisten (Cumarin- Derivate) schränken die Vitamin-K- abhängige γ-Carboxylierung der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X sowie der antikoagulatorischen Proteine C, S und Z in der Leber ein. Neue/Direkte Orale Antikoagulan- tien (NOAK/DOAK) hemmen direkt und reversibel den Faktor Xa (Apixaban, Edoxaban, Rivaroxaban), bzw IIa (Dabigatran) Acetylsalicylsäure (ASS) Clopidogrel, Prasugrel, Ticagrelor Phenprocoumon, Warfarin Apixaban, Edoxaban, Rivaroxaban, Dabigatran Unfraktioniertes Heparin ZAHNMEDIZIN Wirkstoff Wirkort/ Mechanismus Verstärkt die Antithrombin III (AT-III) vermittelte Hemmung von Faktor IIa, IXa, Xa und XIIa. Hemmt die Faktoren IIa und Xa etwa gleichstark. Heparin-Natrium (Wirkung Dosis-abhängig, ~30 min bei i. v. 25U/kg, 60 min bei 100 U/kg und 150 bei 400/kg), Akutes Coronarsyndrom, Akute Thrombosen/ Thrombembolien, stationär fragile Gerinnungssitua- tionen 54 Niedermolekulares Heparin: Enoxaparin, Dalteparin, Certopa- rin, Tinzaparin Wie Unfraktioniertes Heparin, aber hemmt Faktor Xa 2–4 mal stärker als Faktor IIa subkutan variabler Clexane® (HWZ 4,5–7h), Fragmin® (HWZ 4,5–7h), Mono-Embolex® (HWZ ca. 4h), Innohep® (HWZ 3–4h) 55, 56, 57 Vorhofflimmern, Tiefe Venenthrom- bosen, Lungenembolien, (peri-/ postoperative) Thromboseprophy- laxe und -therapie, Bridging bei Beginn mit Vitamin-K-Antagonisten Tab.2: Ausgewählte Antikoagulanzien, Wirkstoffe, Wirkort und einige Präparat-Namen (kein Anspruch auf Vollständigkeit). Bezeichnung bzw. Synonym: neue orale Antikoagulanzien, NO- AKs), und aktuell oft verschriebener Antikoagulanzien nicht oder nur noch mit erheblichem Aufwand, beispielsweise über eine Messung der Faktor-Xa-Aktivität, von spezialisierten Laboren umgesetzt werden kann (Fall 1 und 3; Tab. 2). Aus den Kombi- nationen der zur Verfügung stehenden Analysen zur Blutgerin- nung lassen sich dann Rückschlüsse auf die Ursache der alter- nierten Blutgerinnung wie etwa einem Mangel an einem bestimmten Gerinnungsfaktor ziehen [22]. Im zahnmedizinischen Alltag sind insbesondere chirurgisch oder parodontologisch tätige Zahnärzte regelmäßig mit Fragen zu Präparaten, Wirkstoffen und etwaigen Risiken für intraoperative Komplikationen oder Blutungen nach einem oralchirurgischen oder parodontologischen Eingriff konfrontiert [2,8,25,26]. Eini- ge aktuell eingesetzte Präparate und deren Eigenschaften sind in Tabelle 2 dargestellt. Da gerinnungshemmende Medikamen- te nicht von Zahnärzten verschrieben, eingesetzt, abgesetzt oder pausiert werden dürfen, ist im Fall geplanter chirurgischer 172 ZMK | Jg. 42 | Ausgabe 4 | April 2026 | 170 – 185