LABORFÜHRUNG • Existenzielle Grundbedürfnisse: Motivation sinkt mit steigenden Sorgen von Beschäftigten, grundlegen- de Lebenshaltungskosten wie Lebensmittel, Miete etc. durch das Gehalt nicht finanzieren zu können. Die oft niedrigen Gehälter in der Zahntechnik sind so- mit häufige Motivationskiller. • Sicherheits- und Schutzbedürfnisse: Beschäftigte wünschen sich einen sicheren Arbeitsplatz, an dem sie sich respektiert und willkommen fühlen. Agile Führungskompetenzen sind Grundlage dafür, auf die individuellen Bedürfnisse des Teams und der einzelnen Teammitglieder positiv einzuwirken. • Selbstverwirklichung: Arbeitnehmerinnen und Ar- beitnehmer brauchen sinnvolle Aufgaben und die Möglichkeit, sich weiterentwickeln zu können. Strategische Umsetzung von probaten Maßnahmen zur Personalentwicklung sind Voraussetzung für mehr Mitarbeiterzufriedenheit und somit mehr Motivation. Zahlreiche Ratgeber erläutern, wie Mitarbeitende moti- viert werden können. Der Fokus sollte jedoch zunächst darauf liegen, Faktoren im Betrieb zu erkennen, die de- motivierend wirken. Das bedeutet, allen Bedürfnissen aus diesem Modell gleichermaßen Aufmerksamkeit zu schen- ken und nicht als Hierarchie, sondern als sich stets wan- delnden Prozess zu begreifen. Motivation von außen und von innen Wenn Sie sich also heute früh noch etwas müde ent- schieden haben, sich von Ihrem warmen Bett zu verab- schieden, um ins Labor zu fahren, wurden Sie bereits von mehreren Faktoren beeinflusst und dazu bewegt. Selbstverwirklichung: z.B. Kreativität ausleben, Sinngebung im eigenen Leben, persönliches Wachstum Individualbedürfnisse: z.B. Freiheit, Einfluss, Erfolg, Statussymbole Soziale Bedürfnisse: z.B. Wertschätzung, soziale Anerkennung, Zugehörigkeit, Zuneigung Sicherheits- und Schutzbedürfnisse: z.B. Stabilität, Geborgenheit, Strukturen, frei von Angst Existenzielle Grundbedürfnisse: z.B. Nahrung, Schlaf, Wärme, Gesundheit Abb. 1: Bedürfnispyramide nach Maslow Bild: © Will Theoretisch unterscheidet man zwischen Motivation, die von außen wirkt, und jener, die von innen entsteht – der extrinsischen und der intrinsischen Motivation. Extrinsische Motivation Ein großer Teil menschlichen Verhaltens wird durch äuße- re Motivationsfaktoren beeinflusst. Das Leben besteht nicht nur aus angenehmen Aufgaben – manche sind not- wendig, auch wenn sie keinen Spaß machen. Überstun- den werden beispielsweise selten aus eigenem Antrieb geleistet, sondern vielmehr, um Vorgesetzte oder Kun- den nicht zu verärgern. Dabei können unterschiedliche Beweggründe eine Rolle spielen: eine zusätzliche Vergü- tung zur Aufbesserung des Einkommens oder die Aus- sicht auf eine leitende Position in der Zukunft. Fehlt die Freude an einer Aufgabe, bedarf es umso stär- kerer Anreize, um sich dennoch zu motivieren. Diese soll- ten in einem angemessenen Verhältnis zum Aufwand stehen, denn Motivation durch Angst vor Strafe wirkt langfristig kontraproduktiv und untergräbt eine vertrau- ensvolle Zusammenarbeit. Extrinsisch: Belohnung erhalten, z.B. Extrinsisch: Strafe vermeiden, z.B. • Geld • Lob • Anerkennung • Gute Beurteilungen • Missachtung • Liebesentzug • Sanktionen • Aggression Rein extrinsische Anreize eignen sich jedoch kaum für eine nachhaltige Motivation am Arbeitsplatz. Durch Ge- wöhnungseffekte kann sich ein Verhalten einstellen, bei dem Mitarbeitende nur noch dann aktiv werden, wenn sie eine Belohnung erwarten oder Sanktionen vermeiden wollen. Dadurch entstehen Stress und Leistungsdruck, während die Tätigkeit selbst zunehmend als wenig oder gar nicht mehr erfüllend wahrgenommen wird. Langfris- tig geht so jede Freude an der Arbeit verloren. Umsatzbe- teiligungen sind aus diesem Grund kritisch zu betrachten. Um dem entgegenzuwirken, kommt der intrinsischen Motivation – also der Motivation aus eigenem Antrieb – eine zentrale Bedeutung zu. Intrinsische Motivation Spricht man mit Zahntechnikern und -technikerinnen über ihre Motivation im Beruf, nennen sie häufig die Be- geisterung, Patientinnen und Patienten zu einem schö- nen Lächeln zu verhelfen. Freude an Ästhetik, Technik, Präzision und handwerklicher Arbeit spielt dabei eine ZAHNTECHNIK MAGAZIN | Jg. 30 | Ausgabe 02 | April 2026 | 104–107 105